Friedenskirche von Väterchen Timofej

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Die Ost-West-Friedenskirche: Väterchen Timofejs Kirche im Olympiapark

Die Ost-West-Friedenskirche ist eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Münchens – und steht nicht in jedem Reiseführer. Wenn du den Olympiaberg besuchst, solltest du einen Abstecher machen. Die Kirche von Väterchen Timofej liegt im Olympiapark südlich des Olympiasees und direkt unterhalb Olympiabergs. Ursprünglich war die kleine, selbstgebaute Kirche und Wohnhütte ein Dorn im Auge der Stadtplaner, da es mitten auf dem geplanten Olympiagelände lag.

Wie kam es zum Bau der Friedenskirche im Olympiapark?

Die Entstehung der Friedenskirche ist eine Lebensgeschichte einer besonderen Person bzw. eines besonderen Paares: Der russische Eremit Timofei Wassiljewitsch Prochorow ließ sich zusammen mit seiner Frau Natascha 1952 auf dem damaligen Oberwiesenfeld nieder, lange bevor der Gedanke an die Olympischen Spiele aufkam. Er begann, die Kirche und sein Wohnhaus aus Kriegsschutt und gefundenen Materialien zu errichten – ein Bauprojekt, das ohne jede offizielle Baugenehmigung erfolgte und ihm später den Titel des „charmantesten Schwarzbaus Münchens“ einbrachte.

So sah der Innenraum der Ost-West Friedenskirche aus, Foto: Der Uhu Schuhu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ich habe die Kirche gesehen und sie war schon etwas ganz besonderes. Timofej baute sich mit ganz viel Herzblut, ohne viel Geld. Er nutzte wirklich alles, was ihm zur Verfügung stand – und das war nicht soviel. Sehr gut in Erinnerung habe ich die Auskleidung der Kirchendecke: Wo in katholischen Kirchen mit Blattgold gearbeitet wird, hat er das silberne Schokoladenpapier verwendet. Und diese Bauart hatte wirklich einen besonderen Charme. Fast hätte die Kirche im Olympiapark weichen müssen.

Als in den 1960er Jahren die Planungen für die Olympischen Spiele 1972 begannen, sollte das ungenehmigte Bauwerk abgerissen werden, um den Sportstätten Platz zu machen. Doch Timofei und Natascha weigerten sich vehement. Dank massiver Unterstützung aus der Bevölkerung und von prominenten Persönlichkeiten lenkte die Stadt München schließlich ein. Man verlegte das Olympiastadion nach Norden, um die Ost-West Friedenskirche zu erhalten.

Wer war Väterchen Timofej?

Väterchen Timofej - der Erbauer der Ost-West Friedenskirche
Väterchen Timofej – der Erbauer der Ost-West Friedenskirche
Das ehemalige Wohnhaus von Väterchen Timofej ist zu besichtigen
Das ehemalige Wohnhaus von Väterchen Timofej ist zu besichtigen

Timofei Wassiljewitsch Prochorow (angeblich 1894 in Russland geboren, gestorben 2004 in München) ist besser bekannt als Väterchen Timofej. Er war ein Eremit, der als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg nach München kam und sein Leben der Botschaft des Friedens widmete. Timofej war tief gläubig und sah seine Aufgabe darin, die Kirche der Gottesmutter Maria als Symbol der Ost-West-Aussöhnung zu bauen. Mir erzählte er damals, er hätte eine Erscheinung gehabt, dass er diese Kirche bauen sollte. Er und seine Frau Natascha lebten über Jahrzehnte in einfachen Verhältnissen in ihrer selbstgebauten Hütte. Väterchen Timofej wurde in München zu einer lebenden Legende, einem spirituellen Ankerpunkt und einem Mahner für den Frieden. Er starb im hohen Alter von angeblich 110 Jahren im Jahr 2004. Timofeis Grab befindet sich auf dem Westfriedhof von München (Sektion 196, Nr. 45).

Friedenskirche von Väterchen Timofej zerstört – wie geht es weiter?

Am 11. Juni 2023 gab es ein großes Unglück: Die Ost-West-Friedenskirche wurde durch einen verheerenden Brand vollständig zerstört. Glücklicherweise blieb Timofeis Wohnhaus verschont, das heute als kleines Museum dient. Die Brandursache wurde später als technischer Defekt in der Elektronik festgestellt, Brandstiftung konnte ausgeschlossen werden. Sofort nach dem Unglück formierte sich die Stiftung Ost-West-Friedenskirche e. V. mit dem Ziel, das wichtige Symbol wieder aufzubauen. Beim Abtragen der Ruine wurden noch erhebliche Mengen an verstecktem Bargeld (alte DM-Scheine und Münzen) gefunden – typisch Väterchen Timofej. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau der Kirche begannen Anfang 2025. Mit etwas Glück kann die Grundsteinlegung noch im Dezember 2025 erfolgen.

Wissenswert für deinen Besuch der Ost-West Friedenskirche

Nachdem Tomifej und seine Frau nicht mehr leben und ihr Lebenswerk betreuen können, gibt es nun einen Verein, der sich um das Gelände kümmert. Diese Freiwilligen öffnen das Gelände regelmäßig, so dass du diesen besonderen Ort besuchen kannst. Es liegt etwas versteckt zwischen Bäumen direkt unterhalb des Olympiaberg, wo im Sommer das Tollwood stattfindet. Für deine Orientierung hier der Link zur Google Karte. Direkt bei der Ost-West Friedenskirche kannst du nicht parken. Der nächstgelegene Parkplatz ist das Parkdeck am Olympiaturm.

Es ist ein spiritueller Ort geblieben, auch über den Tod von Väterchen Timofej hinaus. Wenn dich das anspricht, solltest du auch einmal das Felsenkloster St. Georgenberg, die kleine Kapelle im Kaisertal oder die Heidnische Kirche bei den Kaprun Stauseen besuchen.

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